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Heidi Mück: Interpellation betr. Erlenmattplatz, kein Ort mehr für Jugendliche?

Im Januar 2015 bewilligte der Grosse Rat für die Projektierung und Realisierung des öffentlichen Platzes „Stadtterminal“ auf der Erlenmatt über 20 Millionen Franken. Der Hauptteil dieser Ausgaben (über 13 Millionen Franken) war für die Projektierung und Realisierung von Gebäuden für Jugendliche vorgesehen. Einerseits sollte die Trendsporthalle vom Hafen auf den neuen Erlenmattplatz umziehen, andererseits war auch ein Infrastrukturgebäude für Jugendliche vorgesehen.

Im damaligen Ratschlag (14.1083.01) wurde der Erlenmattplatz als Ort für Spiel und Sport, Aufenthalt und Bewegung mit Fokus auf jugendliche Nutzer*innen angepriesen. Weiter hiess es, das im Legislaturplan 2013 - 2017 unter „Chancengleichheit“ verfolgte Ziel, Kindern und Jugendlichen ausreichend Angebote und Raum zur Verfügung zu stellen, könne mit der neu gesetzten übergeordneten Nutzungsausrichtung auf Jugendliche „proaktiv und (auf) für die Zielgruppe attraktive Weise umgesetzt werden“.

Mit Regierungsratsbeschluss vom 26. Januar 2021 (21.0059.01) wurden diese Pläne umgestossen. Der Regierungsrat argumentierte, dass die Rahmenbedingungen unter denen das Projekt erarbeitet wurde, sich geändert hätten. Konkret beschloss der Regierungsrat die Trendsporthalle neu in die Hafenentwicklung zu integrieren und folglich das laufende Projekt am Standort Erlenmatt abzubrechen. Damit verbunden war der Entscheid, eine neue Planung für den Erlenmattplatz aufzunehmen.

Am 22. November 2021 fand eine „Informations- und Beteiligungsveranstaltung Erlenmattplatz“ statt. Die Anwesenden wurden informiert, dass auf der Brache nördlich am Erlenmattplatz eine neue Überbauung mit Schwerpunkt Wohnen entstehen soll. Die Erdgeschosseinrichtungen des Gebäudes sollen zu den Aktivitäten auf dem Erlenmattplatz passen. Bis konkrete Pläne vorliegen, sollen Zwischennutzungen auf dem Erlenmattplatz stattfinden.

Mit dem ursprünglichen Projekt mit der „Welle“ wäre durch die Nutzung des Daches ein differenzierter Ort mit verschiedenen Niveaus geschaffen worden, der  sich ideal für die informelle, autonome Nutzung durch Jugendliche eignet. Sollten die neu präsentierten Pläne umgesetzt werden, ist die Idee eines Platzes „für Spiel und Sport, Aufenthalt und Bewegung mit Fokus auf jugendliche Nutzer*innen“ hingegen nicht mehr realistisch. Die Qualität des Ortes und die möglichen Nutzungen würden sich grundlegend ändern und zudem ist das Konfliktpotential zwischen Wohnnutzung und Angeboten für Jugendliche erfahrungsgemäss hoch.

Die Anliegen der Jugendlichen respektive deren Bedarf nach Freiraum könnten allenfalls noch bei den Zwischennutzungen einfliessen, allerdings sind die Hürden für basisnahe, autonome Jugendprojekte für allfällige Betreiber*innen von Zwischennutzungen nicht zu unterschätzen.

Vor diesem Hintergrund erlaube ich mir, dem Regierungsrat folgende Fragen stellen

  1. Ist sich der Regierungsrat bewusst, dass der Abbruch des Projekts mit dem ursprünglich geplanten Angebot für Jugendliche (Stadtterminal, „Welle“ mit Infrastukturgebäude etc.) und die Neuausrichtung zum nun angekündigten Projekt (Überbauung mit Schwerpunkt Wohnen und Erdgeschosseinrichtungen, die zur Platznutzung passen) einen enormen Abbau von Möglichkeiten und Freiräumen für Jugendliche bedeutet?
  2. Auch im aktuellen Legislaturplan 2021-2025 ist unter dem Titel „neue Freiräume“ vorgesehen, einen speziellen Fokus auf die Nutzungsbedürfnisse von Kindern und Jugendlichen zu legen (Massnahme 24). Wie will der Regierungsrat dies nun konkret angehen?
  3. Welche Freiräume für Jugendliche sind als Ersatz für den Erlenmattplatz  vorgesehen?
  4. Wo werden die im Januar 2015 bewilligten Gelder für Jugendliche auf der Erlenmatt eingesetzt?
  5. Welche demokratischen Prozesse stehen noch an, bis am Erlenmattplatz eine neue Überbauung mit Schwerpunkt Wohnen realisiert werden kann?
  6. Wie gross ist der Spielraum für eine allfällige Änderungen dieser Pläne, die mehr Freiraum für die Umsetzung der ursprünglichen Idee eines Platzes „für Spiel und Sport, Aufenthalt und Bewegung mit Fokus auf jugendliche Nutzer*innen“ bieten würde?

Heidi Mück (73)